Freitag 13.03.2026 19:30 Uhr
Okay, Herr Dey!
Im Herbst 2019, wenige Wochen nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle, Sachsen Anhalt, beginnt in Hamburg einer der letzten Strafprozesse gegen einen früheren SS Wachmann. Das Konzentrationslager, besser: Todeslager, war Stutthof bei Danzig. Bruno Dey ist 1944 als junger Rekrut der Wehrmacht der Schutzstaffel zugeordnet worden, war Wachsoldat. Bewacht hat er politische polnische Verschleppte, sowjetische Kriegsgefangene, Partisanen und viele ausgebürgerte und verschleppte Juden Osteuropas. Sie sollten ihrem sicheren Tod nicht entfliehen. Zwei Stunden pro Verhandlungstag könne der angeklagte Betagte dem Prozess folgen, so die medizinischen Gutachten. Der Prozess zieht sich und es folgt die Corona Pandemie mit strengen Restriktionen für das Gericht.Anders als die begleitenden Medien, berichtet die Chronistin von Tätersprache und Opferhierarchien, Eitelkeiten, Verzweiflung und der Resignation aller Beteiligten angesichts der verrinnenden Lebenszeit des Angeklagten und der Nebenkläger. Deutlich wird, wer die Hauptlast des Verfahrens trägt, denn der Angeklagte geniesst das Beste aus zwei Welten: Die nationalsozialistische Rechtsnorm für „Mord“ jedenfalls wurde von der Bundesrepublik vollständig übernommen. Und die angewandte Prozessökonomie verweist die Zeugen an den Rand des Geschehens. Wer aber übernimmt Verantwortung?Okay, Herr Dey! ist ein Beitrag zur kritischen Erinnerungskultur. Die Autorin wird anwesend sein.
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