Freitag 01.05.2026 19:30 Uhr
Nur ein Teil
Im Zuge der Bombardierung kriegswichtiger Industrien im Zweiten Weltkrieg verlagerte die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG die Montage ihrer Motoren in Gebiete außerhalb der Reichweite alliierter Flieger. Unter anderem entstanden Anlagen im damaligen Zittauer Ortsteil Großporitsch/Kleinschönau (heute: Porajów/Sieniawka) und im böhmischen Semil (Semily). Wie so viele Industriebetriebe in Deutschland bediente sich Junkers dabei Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Im Werk Semily wurden in der Hauptsache tschechische Bürgerinnen und Bürger zum Arbeitsdienst verpflichtet, während in Zittau Menschen aus zahlreichen Nationen arbeiten mussten. Zudem ließen sich die Werkbetreiber Gefangene aus den Konzentrationslagern bringen. Die Arbeiterinnen und Arbeiter der sogenannten Zittwerke wurden mit unterschiedlichen Rechten und Freiheiten versehen: Während sich Menschen aus westlichen Ländern nahezu frei in der Region bewegen durften, wurden Menschen aus dem Osten wesentlich stärker eingeschränkt. Jüdische Arbeiterinnen und Arbeiter waren einer deutlich größeren Unterdrückung und Gewalt ausgesetzt. Das tatsächliche Ergebnis ihrer Arbeit konnten viele von ihnen kaum nachvollziehen. Oft hatten sie nur Maschinen- oder Motorenteile vor sich, deren Funktion ihnen gänzlich unbekannt war. Letztlich wurden die Ausgebeuteten selbst nur als austauschbare Teile betrachtet, die zum Sterben zurückgelassen wurden, wenn sie nicht mehr funktionierten. Die Performance Nur ein Teil basiert auf der Biografie der Niederländerin Maria-Elisabeth Pouwels, der Kurzgeschichte „Eine Haube aus Glas“ von Nava Semel sowie dem Bericht von Alexander Schneider, der als Dreizehnjähriger seinen Vater in Sieniawka beerdigte.
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